Bitcoin: Astrid Lindgren: “ Ich würde mir wünschen, dass eine neue Art der Weisheit über uns käme, vor allem über unsere Anführer.“

Zur Entwicklung der Blockchain-Technologie und der neuen digitalen Weltwährung BITCOIN passen sehr die Worte von Astrid Lindgren, der Schöpferin von generationsprägenden Werken wie zum Beispiel: Pippi Langstrumpf und die erst kürzlich in ihrem Nachlass entdeckt wurden. Verfasst hat sie diese vermutlich schon Ende der 1950er-Jahre. Überwinden wir endlich viele der uns von klein auf suggerierten Ängste. Lassen wir uns nicht mehr durch die Systeme bevormunden. Und suchen wir aktiv unsere Chancen durch eigenständiges Denken und Handeln!

aus Astrid Lindgren: Niemals Gewalt!
Die Besorgnis über den Zustand der Welt begleitete Astrid Lindgren durch ihr ganzes Erwachsenenleben. Bereits vermutlich Ende der 1950er-Jahre verleiht sie diesem jüngst in den Archiven entdeckten Textfragment ihrer Nachdenklichkeit Ausdruck, das heute wie eine Vorankündigung auf ihre große Friedenspreisrede wirkt.

Ich würde mir wünschen

Ich würde mir wünschen, dass wir nicht mehr so furchtbare Angst haben müssten. Frei zu sein von Not und Furcht… Klingt das nicht wunderbar? Das würde ich mir wünschen, aber ich weiß nicht, wie es Wirklichkeit werden soll. Es setzt voraus, dass wir aufhören, uns wie ein Haufen verängstigter Kinder zu benehmen, die sich gegenseitig aus reinem Schrecken die Augen auskratzen, es setzt voraus, dass wir uns mit ein wenig mehr Vertrauen einander nähern, dass Menschen und Nationen und Rassen endlich merken, dass die Erde unser aller Heim ist und dass wir versuchen müssen, uns einig zu sein.

Ich würde mir wünschen, dass eine neue Art der Weisheit über uns käme, vor allem über unsere Anführer. Man würde ja so gerne versuchen zu glauben, dass diese Menschen, die das Schicksal der Welt in ihren Händen halten, besonders hervorstehende Exemplare der menschlichen Rasse sind, dass sie klüger und verständiger und besser als wir anderen sind, aber dann muss man ja einsehen, dass sie es nicht sind. Sie sind genauso kleine Pimpfe wie wir alle, genauso voll von Eitelkeit und Dummheit und Aggressionen und persönlichen Machtbesessenheit wie wir selbst.

Es ist wahr, was Axel Oxenstierna sagte: „Mein Sohn, weißt du nicht, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird?“ Ein wenig mehr Weisheit in der Welt würde ich mir für die 1960er wünschen, ich würde mir wünschen, dass zumindest ein paar neue Menschen auftauchen, die wirklich einen Kopf größer sind als wir anderen und die uns auf den Weg weisen können.

Etwas mehr Weisheit und Güte – das würde uns allen guttun. Es bringt aber wohl nicht so viel, herumzusitzen und sich etwas für andere Menschen zu wünschen. Die richtige Art und Weise ist wohl, dass ein jeder bei sich selber anfängt und versucht, sich an diesen Vers zu erinnern:

„Wir, die wir uns treffen kurze Stunden, Kinder gleicher Erde, gleichem Wunder, auf des Lebens sturmumbraustem Kap!
Solln wir lieblos gehen und kalt durchs Leben?
Gleiche Einsamkeit erwartet jeden, gleicher Trauerklang an seinem Grab.“

(Verner von Heidenstam: Wir Menschen, Übersetzung: Willi Grigor)

Quelle: Astrid Lindgren: Niemals Gewalt! (Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978), ISBN-13: 978-3789107894, Oettinger-Verlag 2017