Bitcoin: Alternative Zahlungsmittel – Virtuell wird real

Virtuelle Währungen wie Bitcoin werden immer beliebter. Das sind Währungen, die anonym von ihren Nutzern im Netz mit komplexen Algorithmen geschaffen werden. Bitcoin gibt es seit 2009, die Transaktionen und Guthaben werden in einem dezentralem Netzwerk verwaltet – ganz ohne eine Zentralbank. Einige Unternehmen akzeptieren bereits Bitcoins als Zahlungsmittel. Die Schweizerische Bundesbahn (SBB) etwa wirbt auf ihrer Website, dass Kunden mit Bitcoins an allen SBB-Billettautomaten rund um die Uhr bezahlen können. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Zertifikatebranche entsprechende Produkte auf die Krypto-Währung lancierte. Als reiner PR-Gag kann dies längst nicht mehr abgetan werden. In Zeiten von Dauerniedrigzinsen begeistern die digitalen Devisen nicht nur Spekulanten.

Der Markt an Cyber-Währungen wächst stark. Laut coinmarketcap.com gibt es derzeit 1121 Internet-Währungen. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin, der derzeit größten Internet-Währung, beträgt mehr als 65 Milliarden US-Dollar. Die Zentralbanken der Welt können das Wachstum von Krypto-Währungen nicht mehr ignorieren, da es ein Risiko für die Stabilität des Finanzsystems darstellen könnte, befand die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel in ihrem jüngsten Quartalsbericht. Gleichzeitig regten die obersten Geldhüter an zu prüfen, ob die Notenbanken nicht selbst eigene digitale Währung emittieren sollten. Selbst wer Bitcoin nur für ein Instrument von Betrügern hält, die im Darknet anonyme Transaktionen tätigen, kann der Faszination der Cyber-Währung kaum mehr entkommen. Auch Privatanleger fragen sich längst, was sie davon eigentlich halten sollen.

Die Bitcoin-Nutzer machen den Notenbankern Konkurrenz
„Aussagen von Notenbankern könnten auch interessengetrieben sein“, sagt Marc Oliver Rieger, Finanzprofessor von der Universität Trier. Denn die Bitcoin-Nutzer machen den Notenbanken in Sachen Geldschöpfung Konkurrenz. Doch auch Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan, befand vor wenigen Tagen, Bitcoin sei Betrug. Viele schreiben den kräftigen Kurssturz, den es daraufhin gab, ein wenig auch Dimons Aussage zu. Es dauerte nicht lange, bis erste Meldungen im Netz auftauchten, dass sein Institut entsprechende Produkte vertreibe. „Wasser predigen und Wein trinken“, titelte die Nachrichtenseite finews.ch. Der Bitcoin-Kurs war am 1. September auf einem Rekordhoch von 4921,44 Dollar angelangt und brach dann binnen zwei Wochen auf 3300 Dollar ein. Mittlerweile hat sich der Kurs berappelt und liegt bei rund 4000 Dollar. Die Schwankungen und Risiken sind enorm. Doch der Trend geht seit einem Jahr steil nach oben. Manche vergleichen die Entwicklung mit der Dotcom-Blase oder der Tulpen-Manie. Andere sehen darin schlicht ein lukratives Investment.

Noch ist es nicht trivial, Bitcoins zu kaufen. Das Risiko ist groß, dass das Geld weg ist, wenn die gespeicherten Codes auf dem Handy oder dem USB-Stick verloren gehen. Ein Zertifikat bietet da eine vergleichsweise einfache Alternative, um an der Entwicklung der Cyberwährung zu partizipieren. „Beim Kauf und Verkauf des Bitcoin-Zertifikats muss sich der Kunde keine Gedanken über den Zugang zu Bitcoin-Handelsplätzen und die Lagerung der digitalen Währung machen“, sagt Heiko Geiger von der Schweizer Bank Vontobel.

Auch aufgrund vermehrter Kundennachfrage hat die Bank im vergangenen Jahr ein Zertifikat lanciert, das hierzulande etwa an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart handelbar ist. Allein an der Börse Stuttgart wurden im Zeitraum vom 21.11.2016 bis zum 15.9.2017 für das Produkt 6531 Kundenorders im Volumen von mehr als 41 Millionen Euro ausgeführt. Die Nachfrage ist groß, sagt Geiger: „Viele Anleger betrachten Bitcoin als das neue Gold.“ Der Großteil von Bitcoins wird in Asien gehandelt. Neue regulatorische Vorgaben in China können daher zu heftigen Kursbewegungen führen: „Bitcoin ist grundsätzlich ein volatiler Basiswert. Der Markt für Krypto-Währungen reagiert derzeit sehr sensitiv auf Nachrichten“, sagt Geiger. Wer also vergangene Woche in dem Crash verkaufte, der wohl durch ein Verbot von Bitcoin-Handelsplätzen in China verursacht wurde, hat womöglich Geld verloren. „Nach diesem drastischen Kurssturz legte Bitcoin aber wieder stark zu und sprang auf mehr als 4000 US-Dollar“, sagt Geiger. Dennis Austinat, Deutschland-Chef von dem Social-Trading-Netzwerk Etoro sagt: „Bitcoin ist einer der volatilsten Basiswerte, in die man im Moment investieren kann.“ Wer bei hohen Schwankungen die Nerven verliert und in falschen Aktionismus gerät, sollte davon lieber die Finger lassen.

Anleger sollten sich mit der Kryptowährung Bitcoin auskennen und am besten nur so viel Geld investieren, dass auch ein Totalausfall verkraftbar ist, rät Wissenschaftler Rieger, der dem Vontobel-Produkt durchaus einiges abgewinnen kann: „In kleinen Mengen kann eine Beimischung ins Portfolio zur Diversifikation sinnvoll sein.“ In das Vontobel-Zertifikat können Anleger etwa mit einem Zehntel Bitcoin, bereits mit etwa 360 Euro einsteigen. Die Geld-Brief-Spanne beträgt zwei Prozent. Auch die Ausgestaltung als Tracker-Zertifikat begrüßt Wissenschaftler Rieger. „Tracker-Produkte sind die langweiligsten und damit transparentesten Zertifikate, die es gibt. Sie bilden den Index 1:1 ab.“ Steigt oder fällt der Wert eines Bitcoin, partizipiert auch der Zertifikateinhaber entsprechend.

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„Es gibt das Risiko, wie bei anderen Anlageklassen übrigens auch, dass Bitcoin auf Null fallen kann“, sagt Geiger. Die Währung könnte etwa verboten oder so stark reguliert werden, dass es zu Verkäufen mit starken Kursverlusten und einem Zusammenbruch der Währung kommt. Zudem trägt der Zertifikateanleger auch ein Emittentenrisiko. Auch technologische Weiterentwicklungen können für Anleger ein bestimmtes Risiko darstellen, sagt Geiger. Anfang August kam es zu einer Aufspaltung in zwei Währungen. Die Branche spricht dabei von einem sogenannten Hard Fork. Seither gibt es Bitcoin und Bitcoin Cash.

Auch Spielereien wie Leerverkäufe sind möglich
Noch gibt es wenige Anbieter von Bitcoin-Zertifikaten. Über Comdirect lassen sich etwa auch zwei Zertifikate des schwedischen Emissionshauses XBT Provider handeln. Die Cornèr-Bank hat vergangene Woche ein Tracker-Zertifikat lanciert. Außerbörsliche Plattformen bieten zudem auch verschiedene Investments an.

Auf der Plattform Etoro können Anleger etwa fünf verschiedene Kryptowährungen handeln. Wer auf einen fallenden Bitcoin setzen möchte, kann einen Bitcoin-Differenzkontrakt erwerben und einen Leerverkauf eingehen, das heißt Anleger können auch Verkäufe von Bitcoins tätigen, ohne sie schon zu besitzen. „Verkaufe ich einen Bitcoin, den ich noch nicht besitze und der Preis geht von 5000 auf 4000 Euro, mache ich 1000 Euro Gewinn. Steigt der Preis auf 6000 Euro habe ich 1000 Euro Verluste“, erklärt Austinat die Möglichkeiten, die vor allem professionelle Anleger nutzen.

Auf der Plattform kann 24 Stunden sieben Tagen die Woche gehandelt werden. Etoro hat eine Portfolio Management Lizenz von Cysec, der zypriotischen Finanzaufsicht-Behörde. Registrierten Nutzern bietet die Plattform kostenlos ein Demo-Konto mit 100 000 US-Dollar Spielgeld, mit dem Anleger das Portal testen können. „Wir sind der Meinung, dass die Zukunft des Geldes immer stärker von Kryptowährungen wie Bitcoin abhängen wird, aber bei solchen Erfindungen weiß man nie, wie sie sich noch entwickeln“, sagt Austinat.

Quelle:
Von Katharina Wetzel
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/alternative-zahlungsmittel-virtuell-wird-real-1.3672921