Blockchain – Aus dem Hype wird langsam Ernst

Die Euphorie über die Blockchain wächst. Immer mehr Banken setzen sich intensiv mit dem Thema auseinander, die Investitionen in Blockchain-Start-ups legen deutlich zu. Mittlerweile ist es unbestritten, dass die revolutionäre Technologie gewaltiges Potenzial besitzt, um die Finanzbranche und Kapitalmärkte grundlegend zu verändern.

Die Blockchain gilt bereits als „trust machine“, die ohne eine zentrale Legitimierungsinstanz wie eine Bank zwischen fremden Teilnehmern das für Finanzgeschäfte notwendige Vertrauen schaffen kann. Die technologischen Entwicklungen der Blockchain, die hinter der digitalen Kryptowährung Bitcoin steckt, sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass aus dem vielbeschriebenen Hype schon bald Realität werden könnte. Bevor die Distributed-Ledger-Technologie allerdings zum Durchbruch kommen und flächendeckend genutzt werden kann, müssen noch einige wesentliche Hürden im Markt überwunden werden. Vor allem rechtliche und regulatorische Unsicherheiten sorgen dafür, dass das Thema in vielen Banken noch nicht entscheidungsreif ist. Als Leitfaden lassen sich zehn Thesen zur Relevanz und zum bisherigen Status quo der Blockchain für die Finanzbranche formulieren: Die Blockchain ist ebenso revolutionär wie die Erfindung des Internets, doch viele Entscheider sind noch unsicher, wie sie auf den Trend reagieren sollen.

Das Internet hat in den 1990er Jahren die Kommunikation verändert und neue Wege der Datensuche eröffnet. Die Blockchain-Technologie geht einen Schritt weiter. Sie setzt beim Transfer von werthaltigen Assets auf ein dezen-trales Register (Distributed Ledger) und verzichtet auf einen neutralen Intermediär. Daten werden über ein Peer-to-Peer-Netzwerk auf mehreren Rechnern verteilt. Dort werden verschlüsselte Datenblocks erstellt, die nahezu in Echtzeit aktualisiert und koordiniert werden. Jede Transaktion wird von allen Teilnehmern geprüft und dokumentiert, was nachträgliche Änderungen oder eine doppelte Nutzung von digitalen Währungseinheiten verhindert. Zudem werden die Eigentumsrechte aller Teilnehmer eindeutig vermerkt.

Das Potenzial der Technologie, einzelne Prozesse bis hin zum gesamten Bankgeschäft zu revolutionieren, ist enorm. Eine PwC-Befragung von Führungskräften deutscher Banken ergab allerdings, dass knapp 70 Prozent der Entscheider wenig oder gar nicht mit dem Thema Blockchain vertraut sind. Demnach laufen viele Institute Gefahr, den Anschluss an die Entwicklungen rund um die Blockchain zu verlieren.

Die Zukunft der größten Blockchain Bitcoin ist ungewiss.

Die bislang größte und bekannteste Blockchain ist die digitale Kryptowährung Bitcoin, die 2008 von Satoshi Nakamoto erfunden wurde. Bitcoin verwendet ein digitales Register, das Transaktionen der Internet-Währung direkt zwischen den Netzwerkteilnehmern dokumentiert und weltweite Transfers innerhalb von Sekunden zu sehr geringen Kosten ermöglicht. Die chronologische Dokumentation der Transaktionen und eindeutige Zuordnung zum Eigentümer soll verhindern, dass eine Bitcoin-Einheit zweimal ausgegeben werden kann. Die ersten Bitcoins wurden im Januar 2009 von Nakamoto geprägt, Anfang 2017 befanden sich bereits mehr als 16 Millionen Bitcoins im Umlauf. Aufgrund technologischer und geschäftlicher Unsicherheiten wie der hohen Volatilität und der Skalierbarkeit bleibt die Zukunft der Digitalwährung aber ungewiss. Derzeit sind nur etwa sieben Transaktionen pro Sekunde möglich, bevor der nächste Block unveränderlich festgeschrieben wird. Das liegt deutlich unter den Kapazitätsanforderungen für die internationalen Kapitalmärkte und den Zahlungsverkehr. Die Nutzbarkeit der Blockchain-Technologie geht indes weit über die ursprüngliche Verwendung für die Bitcoin hinaus.

Die Investitionen in Blockchain und die Anzahl der Initiativen zum Thema werden steigen.

Als in den 1990er Jahren viele Unternehmen das Potenzial des Internet erkannten, legten die Investitionen und Pilotprojekte im E-Commerce deutlich zu. Trotz Rückschlägen wie der geplatzten „Dot-Com-Blase“ zur Jahrtausendwende würde heute kaum jemand behaupten, das Internet sei nicht revolutionär gewesen. Unter ähnlichen Vorzeichen stehen die Bitcoin und Blockchain. In den ersten drei Quartalen 2016 wurden bereits mehr als 429 Mio. US-$ in die Blockchain-Technologie investiert, nach 490 Mio. US-$ im Gesamtjahr 2015. In Bitcoin wurden bis 2017 mehr als 16 Mrd. US-$ investiert. Damit bleibt die Blockchain vor allem für die Finanzbranche eine zukunftsträchtige Technologie und ein begehrtes Investitionsziel. Initiativen zur Entwicklung der Blockchain wie die Konsortien der Banken (R3) und Versicherer (B3i) werden weltweit einen weiteren Zulauf an Mitgliedern verzeichnen.

Quelle: http://www.die-bank.de/news/aus-dem-hype-wird-langsam-ernst-9468/