Bitcoin in Südtirol

Die Firma Coinwave will Südtirol mit Bitcoin-Automaten ausstatten. CEO Manuel Prinoth über Bitcoin-Handel, die Situation hierzulande und die Zukunft von Kryptowährungen.

Erst Eppan, nun auch Bozen – was war der Hintergedanke dabei, Bitcoin-Automaten in Südtirol einzuführen?

In den letzten Jahren haben wir beobachtet, dass immer mehr Südtiroler und Norditaliener, aber auch Österreicher und Schweizer auf Online-Börsenportalen Bitcoins gekauft haben. Das ist jedoch vielen Menschen zu kompliziert, also haben wir uns mit den Firmen inbitcoin aus Rovereto und Blockchain Lab aus Mailand zusammengeschlossen und Coinwave gegründet. Mit unseren Bitcoin-Automaten wollen wir den Ankauf von Bitcoins für den Bürger so einfach wie möglich gestalten.

Kann man den Bitcoin bereits als etablierte Währung betrachten?

Obwohl ich derzeit so gut wie alles mit Bitcoins bezahlen kann, ist der Bitcoin effektiv keine Währung. Bitcoins sind digitale Bytes, welche durch Miner nach einem festgegebenen Protokoll generiert werden. Da die Anzahl dieser Bytes limitiert ist, haben sie einen gewissen Gegenwert. Somit verkaufen wir über unsere Bitcoin-Automaten eigentlich digitale Bytes.
Auch nach italienischem Recht ist der Bitcoin keine Währung, sondern lediglich ein Geldsystem, wodurch er momentan kaum Einschränkungen unterliegt. Ich persönlich glaube aber, dass es zu Regulierungen kommen wird.

Wie funktioniert die Herstellung von Bitcoins?

Nach dem 2009 erschienenen Protokoll zum Mining, der digitalen Generierung von Bitcoins, werden alle zehn Minuten 12,5 neue Bitcoins in Umlauf gebracht. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Produktionsrate, die maximale Geldmenge ist laut Protokoll auf 21 Millionen Einheiten festgelegt und dürfte um 2140 erreicht werden.
Welche Vorteile bietet der Bitcoin zu traditionellen Währungen wie dem Euro oder dem US-Dollar?
Vergleichen Sie die Entwicklung des Goldpreises seit den 1960er Jahren mit der Kursentwicklung des Euros oder des US-Dollars, wird Ihnen auffallen, dass die beiden letzteren an Wert verloren haben, während der Goldpreis stark zugenommen hat. So ähnlich verhält es sich auch mit der Kursentwicklung des Bitcoins, welcher in den letzten Jahren stark an Wert gewonnen hat. Im Gegensatz zu Gold kann ich mir für Bitcoins jedoch direkt Waren im Gegenwert kaufen.
Der Bitcoin ist ein hochspekulatives Objekt, mit dem man in kurzer Zeit sehr viel Gewinn erzielen kann, aber auch schnell sehr viel verlieren kann. Daher rate ich immer dazu, höchstens zehn Prozent seines Gesamtkapitals in Digitalwährungen zu investieren. Grundsätzlich erfordert der Umgang mit Bitcoins sehr viel Eigenverantwortung.

Wie sieht die aktuelle Situation in Südtirol aus? Wo sollen die nächsten Bitcoin-Automaten stehen?

In Südtirol sind bereits zahlreiche Geschäfte mit den entsprechenden Schnittstellen ausgestattet, das heißt, sie akzeptieren den Bitcoin als Zahlungsmittel. In Bozen sind das beispielsweise dg Informatics oder die Batzenbräu. Auf der Internetseite von inbitcoin finden Sie eine aktuelle Karte aller Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren.
Den Golfclub Eppan und die Bozner Batzenbräu haben wir beide bereits mit je einem Bitcoin-Automaten ausgestattet, die nächsten Automaten werden wir in Meran und im Pustertal einrichten, womit Südtirol gut abgedeckt sein dürfte.

Wie kann man sich den Ankauf von Bitcoins vorstellen? Wie bezahlt man damit?

In den letzten Jahren haben zahlreiche Startups dazu beigetragen, den Handel mit Bitcoins benutzerfreundlicher zu gestalten: So können Sie sich auf Ihr Smartphone beispielsweise eine E-Wallet, eine digitale Bitcoin-Brieftasche, herunterladen, mit der Sie Ihre Bitcoins verwalten und Überweisungen damit vornehmen können. Für den Fall, dass Sie Ihr Smartphone verlieren, können Sie Ihre Bitcoins über Backuppasswörtern wiederherstellen.
Wenn Sie an einem unserer Automaten Bitcoins kaufen, generiert Ihre E-Wallet eine Empfängeradresse in Form eines QR-Codes, der vom Automaten gescannt wird. Nun geben Sie bis zu 499 Euro in den Automaten, bestätigen den Zahlungsvorgang, und schon wird Ihnen der entsprechende Gegenwert nach aktuellem Wechselkurs in Bitcoin in Ihre E-Wallet transferiert.
Wollen Sie in Bitcoin bezahlen, wird an der Kasse ein QR-Code generiert, welcher neben der Adresse des Empfängers auch den Zahlungsbetrag beinhaltet. Scannen Sie diesen QR-Code mit Ihrer E-Wallet, wird die Summe in Bitcoin an das Geschäft transferiert und die Rechnung ist bezahlt. Bitcoin-Transfers laufen in Echtzeit ab, die Zahlungsbestätigung erhält man innerhalb von zehn Minuten bis zu einer Stunde.

Wie sieht der Verkauf von Bitcoins gegen Euro aus?

Um Bitcoins zu verkaufen, muss ich mich auf einer Online-Handelsplattform mit meinen Personaldaten registrieren. Je nach Bank habe ich dann innerhalb von 24 bis 48 Stunden den dem Wechselkurs entsprechenden Gegenwert in Euro auf meinem Konto, abzüglich der 26 Prozent Steuern nach italienischem Recht. Diese Transfers sind allerdings aufgrund des Geldwäschegesetzes deklarationspflichtig, das heißt, ich muss den Ursprung der Bitcoins ausweisen. Deshalb sollte man größere Mengen Bitcoin mittels Banküberweisung einkaufen, die bestätigte Überweisung erleichtert den Rückverkauf in Euro. Kaufe ich mit meinen Bitcoins jedoch Waren im Gegenwert, entfällt die Deklarationspflicht und es wird lediglich die gesetzliche Mehrwertsteuer auf den Kaufbetrag erhoben.

Wie anonym ist der Bitcoin?

Weder für die Benutzung einer E-Wallet, noch für den Bitcoin-Ankauf an unseren Automaten oder die Bezahlung in Bitcoin müssen Sie sich registrieren oder ausweisen. Somit besitzt der Bitcoin dieselbe Anonymität wie Bargeld, bietet aber gleichzeitig die Vorteile bargeldloser Bezahlung.

Wie kann die Akzeptanz von Kryptowährungen, insbesondere des Bitcoins, in der Gesellschaft gesteigert werden?

Für das Jahresende planen wir in Zusammenarbeit mit Südtirol hilft eine Spendenaktion, im Rahmen derer Südtiroler die Möglichkeit haben, Bitcoins anonym für wohltätige Zwecke zu spenden.
Menschen, die gegenüber Kryptowährungen Vorbehalte haben, empfehle ich, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Technologie im Hintergrund verstehen zu versuchen.

Wie glauben Sie, wird sich der Stellenwert des Bitcoins in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren wandeln?

Das kommt darauf an, wie viele User sich weltweit für diese Technologie interessieren – je mehr es sind, umso mehr etabliert sich der Bitcoin. Wenn man bedenkt, dass etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer Bank haben, stellen Kryptowährungen eine praktische Alternative dar, zumal man für den Handel mit Bitcoins nichts weiter als ein Smartphone und eine Internetverbindung benötigt. Momentan ist der Bitcoin vor allem ein Spekulationsobjekt. Die Technologie im Hintergrund ist sehr zukunftsorientiert, in den nächsten Jahren werden sicherlich weitere Neuerungen auf uns zukommen.

Von Hannes Prousch für Open Technologies.
Hinweis: Dieser Beitrag ist ein in Zusammenarbeit mit dem Partner verfasster Artikel und gibt nicht notwendigerweise die Meinung der salto.bz-Redaktion wieder.
Quelle: https://www.salto.bz/de/article/11092017/bitcoin-go