Wie Chinas größte Geisterstadt zu einem Zentrum des Bitcoin-Booms wurde

Seit Jahresbeginn ist der Preis der digitalen Währung Bitcoin explodiert. Nicht nur Anleger und Spekulanten profitieren vom Boom, den Statista für manager-magazin.de illustriert hat. Auch die „Miner“ („Schürfer“), die mit der Rechenleistung ihrer Computer für das Funktionieren des Systems Bitcoin sorgen, machen immer größere Umsätze: Zuletzt setzten Miner laut einer Auswertung von blockchain.info, eines Anbieters von Blockchain-Dienstleistungen und digitalen Geldbörsen, gut 9 Millionen Dollar am Tag um.

Mit ihren Rechnern garantieren sie den Wert des digitalen Geldes: Dem Bitcoin-Modell fehlt dazu im Gegensatz zum System der Zentralbanken ein zentraler Akteur. Damit trotzdem nur mit validen Bitcoins gehandelt werden kann, werden alle Transaktionen von Bitcoins in einem zentralen Verzeichnis gespeichert, der Blockchain. Nur ein Bitcoin, dessen Geschichte sich hier nachvollziehen lässt, ist etwas wert.

Werden Bitcoins gehandelt, muss dies in die Blockchain eingepflegt werden. Dies übernehmen die Miner – und liefern sich, weil sie für erfolgreiche Rechenoperationen selbst mit Bitcoins belohnt werden, dabei mittlerweile ein regelrechtes Wettrennen. Je mehr Rechenleistung einzelne Mining-Unternehmen auffahren können, umso höher ist ihre Chance auf die Belohnung.

Mehr als die Hälfte aller Mining-Pools sitzen laut einer Auswertung der Universität Cambridge in China. Stellvertretend für sie hatte das Wirtschaftsportal qz.com jüngst eine Serverfarm in der Stadt Ordos besucht, die zwar zwei Millionen Einwohner zähle, wegen sich nur langsam bevölkernder riesiger Neubauviertel und den Nachwirkungen einer geplatzten Kohle-Blase aber als Chinas größte Geisterstadt gilt.

Noch 2012 hätte Ordos 20 Prozent zu Chinas Kohle-Produktion beigetragen; heute hätten viele Minen dichtgemacht, Energie sei vor Ort aber immer noch günstig, zumal die Stadtverwaltung dem Pekinger Unternehmen Bitmain, das die Serverfarm betreibt, satte Preisnachlässe gewähre.

Straßenszene aus Ordos (Archivaufnahme von 2011, als die Stadt schon als Geisterstadt galt)

Nicht nur in der Autonomen Region Innere Mongolei, sondern auch im weiter westlich gelegenen Xinjiang und in Yunnan und Sichuan im Süden trieben die Strompreise den Bitcoin-Boom, schreibt qz.com weiter: In Xinjiang sei es ebenfalls Kohlestrom, im Süden stamme die Energie aus Wasserkraftwerken. Niedrige Stromkosten sind auch laut Cambridge-Studie einer der wichtigsten Treiber für erfolgreiches Bitcoin-Mining. Die Anlage in Ordos, laut qz.com eine der größten der Welt, verbrauche pro Stunde genauso viel Strom wie 12.000 Haushalte, die Energiekosten beliefen sich pro Tag auf 39.000 Dollar.

Etwa fünfzig Mitarbeiter halten die 25.000 Bitmain-Rechner in Ordos in Schuss. Viele seien in ihren Zwanzigern, schreibt qz.com, wenige hätten einen Finanz- oder Bitcoin-Hintergrund. Der 28-jährige Han Lei habe in verschiedene digitale Währungen investiert, nicht aber in Bitcoin: Diese verstehe er nicht, zudem habe er wenig Zeit, die häufig wechselnden Preise zu verfolgen.

Ein Kollege habe erstmals von Bitcoin gehört, als Bitmain ihn an seiner Universität rekrutiert habe. Auch nach zwei Wochen erkläre er Bitcoin nur vage mit den Worten, es sei eine „digitale Währung, sie ähnelt Aktien.“ Auch er wolle nicht investieren: Der Preis habe seinen Höchststand erreicht, „er könnte fallen, wenn ich jetzt einsteige.“

Quelle:

http://www.manager-magazin.de/finanzen/alternativegeldanlage/bitcoin-zentrum-ordos-millionen-mining-in-der-inneren-mongolei-a-1164892-2.html